„Hoch im Norden – tief im Schnee gefallen“

Etappe 1 – Abiskojaure, 15 km, die man nicht in 3 Stunden schafft, wie es ihm versprochen wurde…

17:33 Uhr, seine Augen blicken ungläubig auf die Uhr dort an der Wand. Er liegt in einem Stockbett, 12 Bett Raum, zumindest der Holzofen in der Ecke spendet eine angenehme Wärme. Aber sonst würden es wohl auch seine 11 Mitgefangenen schaffen die kleine Hütte zu heizen. „Hoffentlich bin ich heute Nacht müde genug, um da schlafen zu können“ denkt er sich noch, und wie wenn seine Augenlider diesen Gedanken als Kommando verstanden haben, fallen sie kurz zu. „Nein! Jetzt noch nicht schlafen, ich brauche noch was!“, sagt sein Magen, denn die Schokoriegel, die er auf den letzten Kilometern bekommen hat sind schon längst verbrannt und in Energie umgewandelt. Energie! Energie und Willen, das werden die zwei Dinge sein, die über das Gelingen seines Vorhabens entscheiden. Die ersten Kilometer heute, mutig und entschlossen ist er sie angegangen! Wie ein Großer, dort durch den Birkenwald, „Nein doch lieber am Fluss entlang, das hast du gestern schon gesehen, dass es da unten die besser Spur gibt“… Und…. verlaufen, den Lärm der Bahngleise noch im Ohr, aber verloren. Das Bild des Deutschen Touristen, der sich als Outdoor Schwede versucht, beginnt kleine Risse zu bekommen. „Nicht so schlimm, steige ich halt hier Querfeldein wieder auf“, gesagt, getan, unnötig, schweißtreibend, kraftraubend. Aber davon hat er ja (noch) genug….

5 km und 2 Stunden später, auf einem Baumstamm, am Ufer eines gefroren Flusses. „That’s the easy part, you will make it in 3 hours“. Die Worte des Schweden von heute morgen kreisen in seinem Kopf. Unglaube macht sich breit, aufgrund der erheblichen Diskrepanz zwischen Kilometerangabe auf dem Wegweiser und der  Uhrzeit, die er an seinem Handgelenk abliest. „Wie kann ein Mensch nur so mühsam und langsam voran kommen. Waaaaarum? Selbst gekrabbelt wäre ich schneller!“. Kein Funke mehr vom starken Outdoor Schweden, Ratlosigkeit und eine Entscheidung. Weitergehen bedeutet auch zu Ende zu gehen. Zurück gehen bedeutet Frühstücksbuffet, Ski gegen Alpinski tauschen, und das tun, was man kann, im schönsten unberührten Pulverschnee.

10 km und 3 Stunden später hofft er die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Seine Beine und sein Rücken sind mit der Entscheidung wohl nur noch nicht ganz einverstanden….

Vielleicht hilft ja die Schwedische Sauna ein bisschen dabei und vielleicht ist so ein Trip ja doch eine kleine Projektion des Lebens…